Adjuvante Botox-Behandlung

Ein Faltenkiller als Antidepressivum? Die Facial-Feedback-Theorie

Die Injektion von Botulinumtoxin in die Omega-förmige Hautfalte zwischen den Augenbrauen (das sogenannte „Omega-Melancholicum“) ist ein relativ neuer Ansatz bei der Depressionsbehandlung. Botox steht in Bezug auf die diesbezügliche Wirkung Antidepressiva in nichts nach und bringt sogar Vorteile mit sich. Der Effekt hält 3 – 6 Monate an und die Injektion kann nach einer solchen Pause bedenkenlos wiederholt werden. Sicherlich kann Botox keine Depression heilen, doch der Wirkstoff kann negative Emotionen, wie sie bei Depressionen auftreten, deutlich abschwächen und Erleichterung bringen. Die Facial-Feedback-Theorie besagt, dass Gesichtsmuskelbewegungen das eigene emotionale Erleben beeinflussen. Die muskelentspannende Wirkung tritt nach etwa drei Tagen ein, hat sich nach einer Woche voll entfaltet und im Falle eines positiven Ansprechens, empfindet der Patient binnen 14 Tagen eine spürbare Besserung der Depressionssymptomatik.

Mögliche Nebenwirkungen

Die Therapie hat kaum unangenehme Nebenwirkungen und ist, wenn überhaupt, nur wenig belastend. Außer einem rasch abklingenden blauen Fleck oder vorübergehenden Kopfschmerzen, die gelegentlich auftreten können, sind Nebenwirkungen nicht zu befürchten.

Historisches

Lange vor der Entdeckung von Botox als Anti-Faltenmittel wurde es bereits vielfach zu medizinischen Zwecken eingesetzt, bei

  • neurologischen Erkrankungen wie multipler Sklerose
  • Spasmen
  • Reizblase
  • Migräne
  • Schiefhals

Seine Wirksamkeit basiert auf der Fähigkeit, die Reizübertragung zwischen Nervenenden zu dämpfen oder ganz außer Kraft zu setzen und senkt im injizierten Bereich den Muskeltonus.

Wirksamkeitsnachweise

Untersucht wurden 30 Patienten, die an einer Depression litten und bei denen die gängigen Therapieverfahren keinen Effekt gehabt hatten. 15 davon wurde Botulinumtoxin A in die Glabellaregion injiziert, die andere Hälfte erhielt als Placebowirkstoff Kochsalzlösung. Die Glabellaregion, auch als Omega-Melancholicum bezeichnet, weist bei einer Vielzahl depressiver Patienten vertikale Falten auf, wie Sie dies auf unserem Bild oben erkennen können. Umgangssprachlich wird auch häufig von „Zornesfalten“ gesprochen. Ergebnis: in der Botoxgruppe gaben über 60% eine deutliche Besserung an, in der Placebogruppe 13%. Dieser Effekt hielt weit länger an als die Wirksamkeit der Substanz selbst (über 6 Monate).

Fazit: bei Vorliegen deutlicher Zornesfalten können die Neuromodulations-/Ketamin-Patienten adjuvant auch Botox erhalten.

Literatur

Zamanian, A., et al., Efficacy of botox versus placebo for treatment of patients with major depression. Iranian journal of public health, 2017. 46(7): p. 982.

Hawlik, A., et al., Botulinum toxin for the treatment of major depressive disorder. 2014

Magid, M., et al., Treating depression with botulinum toxin: a pooled analysis of randomized controlled trials. Pharmacopsychiatry, 2015. 25(06): p. 205-210.

Finzi, E. and E. Wasserman, Treatment of depression with botulinum toxin A: a case series. Dermatologic Surgery, 2006. 32(5): p. 645-650.

Finzi, E. and N.E. Rosenthal, Treatment of depression with onabotulinumtoxinA: a randomized, double-blind, placebo controlled trial. Journal of psychiatric research, 2014. 52: p. 1-6.

Bekannt und empfohlen aus

  • Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Ausgezeichnet.org zu laden. Mit dem Klick auf den Button akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Ausgezeichnet.org.
    Mehr erfahren

    Inhalt laden

  • Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Docinsider zu laden. Mit dem Klick auf den Button akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Docinsider.
    Mehr erfahren

    Inhalt laden

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von ProvenExpert zu laden. Mit dem Klick auf den Button akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von ProvenExpert.
Mehr erfahren

Inhalt laden